Tuesday, February 26, 2008

I must be crazy.....

..... oder jemand hat mich einer Gehirnwäsche unterzogen, dass ich eigentlich gerade beschlossen hatte, zu versuchen, bis zum Ende des Jahres in Boston zu bleiben.

Wer mich kennt, kennt meinen Dickkopf, und der will mal wieder durch die Wand. Die scheint dieses Mal allerdings ziemlich dick, wenn ich an die zu zahlenden Studiengebühren von 14 000$ und die Visumverlängerung denke.

Also gerade hatte ich mich eben dazu entschieden, wird diese Entscheidung von den Bostonians mal ziemlich auf die Probe gestellt.

Vor einer Stunde, morgens um halb neun, fuhr ich mit dem Fahrrad los nach Charlestown, ungefähr 25min sollte das dauern. Doch ich sollte dort niemals ankommen. Nach mehr als einem halben dutzend Mordanschlägen durch

- amerikanisches Schnee-Räum-Unvermögen in Form von riesigen Schneehaufen auf den Bike Lanes (klar, Autos und Fußgänger brauchen ja freie Bahn – Wer fährt hier schon Fahrrad???)

- amerikanisches Straßen-Teer-Unvermögen in Form von riesigen Schlaglöchern in neuen Straßen

- amerikanischen Taxifahrern, die einfach abbiegen, wann immer es ihnen passt ohne auf sonst irgendetwas zu achten

- amerikanische Auto- und LKW-Fahrer, die die Türen direkt vor meiner Nase aufreißen und denen ich nur mit waghalsigen Ausweichmanövern entgehen kann

endete mein Frühsport an den einfach unüberwindlichen sieben- bis achtspurigen Autobahnen, die von Norden her nach Boston führen und Cambridge von meinem Ziel Charlestown trennen. Klar, dass es mindestens genauso breite Straßen als Tunnel oder Brücken darüber gibt, doch Fahrradfahrer gibt es hier ja nicht – die kommen normalerweise ja gar nicht lebend bis dorthin.

Friday, February 15, 2008

Mid Point

Damit ich nicht vergesse, dass tatsächlich schon fast Mid Point meines Aufenthalts in Boston ist, erhielt ich vom International Educational Exchange Office der US-Regierung die Aufforderung zur Mid Point Evaluation und damit die perfekte Gelegenheit, über meinen Aufenthalt nachzudenken (Zeit dafür hatte ich ja reichlich, nachdem ich eine ganze Woche eigentlich nur krank daheim rumlag) .

Das erste halbe Jahr:

- Die ersten zwei Wochen verbrachte ich quasi ausschließlich mit organisatorischen Dingen: Besorgung einer SIM Card, U-Bahn Karte, Beantragung von Social Security Number und Travel Allowance, Ausstellung meiner MGH Zugangskarte und Freischaltung für CT und MRT.....
- Die nächsten zwei Monate war ich dann jeden Tag in der Klinik in den verschiedenen Reading Rooms und in den Conferences der Residents, um erst mal die Basics der Radiologie zu lernen
- Anfang Dezember begann ich dann mit der Forschungsarbeit, an deren Anfang ich eigentlich erst stehe:
Inzwischen habe ich über 3500 Patientenakten durchgearbeitet und beginne mit meinem ersten Abstract als Erstautor.
Die Statistik meiner Doktorarbeit ist soweit fertig, dass ich auch hiermit das Abstract anfangen kann. In 4 Wochen schon werde ich einen Vortrag darüber halten.
Ein Paper, an dem ich mitgewirkt habe, wird von einer anderen Research Fellow gerade geschrieben.
- Von Neuengland und darüber hinaus habe ich auch schon einiges gesehen: ich war in New York, Rhode Island, New Hampshire, Maine, an den Niagara Falls, in Toronto, in Miami.
- Und ich wurde Mitglied im Harvard Wind Ensemble.

Das zweite halbe Jahr:

Und was passiert in der zweiten Hälfte meines Boston-Jahres? In erster Linie muss ich viele Entscheidungen treffen:
Wo gehe ich hin ab August? Hier schlägt mein typisches Luxusproblem zu: Überschuss an Auswahlmoeglichkeiten. Soll es lieber Chile oder die Dominikanische Republik sein, doch wieder Europa in Form von Erasmus in Spanien, versuche ich weitere 4 Monate in meinem heißgeliebten Boston zu bleiben? Welche Fachrichtung will ich überhaupt für mein Wahltertial im Praktischen Jahr?
Soll ich den ersten Teil des amerikanischen Staatsexamens machen, um mir damit die Chance auf eine Rückkehr in die USA für meine Assistenzarztzeit offenzuhalten?

Nur zu einer Entscheidung konnte ich mich bisher schweren Herzens durchringen:
Ich werde den gesamten April in Spanien verbringen. Also wer mich im nächsten Jahr sehen moechte, das ist DIE Gelegenheit nicht so weit fliegen zu müssen ;-) Eigentlich moechte ich nicht weg aus Boston, die Zeit hier ist viel zu kurz und ich habe viel zu viele tolle Pläne, aber die Chance auf einen kostenlosen Sprachkurs kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Heute habe ich das OK von meinem Supervisor bekommen, vorausgesetzt ich bekomme vorher die Abstracts fertig und schreibe vor Ort die ganzen Paper.

Und was sind die sonstigen Pläne?
- ARBEITEN
- segeln gehen, sobald im Mai die Bootshäuser wieder oeffnen
- Klarinette spielen. Schon in 4 Wochen ist das nächste Konzert mit dem Harvard Wind Ensemble
- Tanzen. Als Mitglied im Harvard Ballroom Dance Team ist 4 mal in der Woche für jeweils 2h Training (wobei das Ende eher offen ist), in 3 Wochen ist der erste Competition, bei dem ich wohl antreten werde.
- Reisen. Schon in zwei Wochen koennte das nächste Highlight kommen. Eine Freundin, mit der ich schon in Toronto war, hat mich gefragt, ob ich mit nach Kalifornien kommen moechte.
- Und ich bekomme ganz viel Besuch: letztes Wochenende war schon eine Freundin aus Tübingen da, die hier in Providence studiert, dieses Wochenende kommt ein Freund aus New York, Ende März besucht mich ein Freund aus Deutschland, Anfang Mai kommt mein Bruder.

Wenn das mal keine Aussichten sind......

Friday, February 8, 2008

Abschiede

Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar geht das Winter-Term in Harvard zu Ende, und damit auch der Aufenthalt einer ganzer Reihe meiner Freunde hier in den USA.

Zum Abschied von Urs und Sönke gabs für mich noch eine Premiere. Bei Urs und Sönke eine Tradition nach gemeinsamem Abendessen, mussten Chrissy und ich daran glauben und uns durch eine halbe Gallone (=1,9 Liter) pure Chemie in Form von schrecklichstem Double Gulp von Seven-Eleven quälen.

Apropos quälen:
Quasi mit der Landung aus Florida kehrte der Ernst des Lebens mit aller Macht zurück, verging mir doch das Lachen im wahrsten Sinne des Wortes durch ein amerikanisches Superbakterium, das mein Immunsystem vor zwei Wochen lahmlegte und seit Tagen meine Gesichtsknochen schmerzhaft im Griff hat.
Und ich habe Antworten auf Fragen bekommen, die ich lieber nie gestellt hätte:
- Wie erlebt man meine Arbeitsstelle, den Giganten "Massachusetts General Hospital", als Patient?
- Warum sind in den "kleinen" amerikanischen Aspirindosen gleich 120 Tabletten? Da erledigt sich für den Medizinstudenten die Frage, warum es den Magenschutz gleich rezeptfrei dazugibt.
- Warum ist eine Krankenversicherung für die USA so teuer? Allein die Medikamente, die mir verschrieben worden waren, hätten 200 Dollar gekostet.

Tuesday, February 5, 2008

Super Tuesday

Primary in 24 US-Staaten
Wer wird Präsidentschaftskandidat für die Democrats und die Republicans?

Dabei stehen die Democrats definitiv im Mittelpunkt. Weil es noch nie so knapp war und es die interessanteren Kandidaten im Lager der Democrats gibt: eine Frau (Hillary Clinton) und einen Schwarzen (Barack Obama)

10pm Eastern Standard Time: an der Ostküste haben die Wahllokale bereits geschlossen
Barack Obama hat in mehr Staaten gewonnen als Hillary Clinton, allerdings nicht in Massachusetts (Clinton 57%, Obama 41% nach Auszählung von 60% der Stimmen), New York und New Jersey
Und an der Westküste sind durch die Zeitverschiebung die Wahllokale noch geöffnet.

Es bleibt spannend diese Nacht.