Damit ich nicht vergesse, dass tatsächlich schon fast Mid Point meines Aufenthalts in Boston ist, erhielt ich vom International Educational Exchange Office der US-Regierung die Aufforderung zur Mid Point Evaluation und damit die perfekte Gelegenheit, über meinen Aufenthalt nachzudenken (Zeit dafür hatte ich ja reichlich, nachdem ich eine ganze Woche eigentlich nur krank daheim rumlag) .
Das erste halbe Jahr:
- Die ersten zwei Wochen verbrachte ich quasi ausschließlich mit organisatorischen Dingen: Besorgung einer SIM Card, U-Bahn Karte, Beantragung von Social Security Number und Travel Allowance, Ausstellung meiner MGH Zugangskarte und Freischaltung für CT und MRT.....
- Die nächsten zwei Monate war ich dann jeden Tag in der Klinik in den verschiedenen Reading Rooms und in den Conferences der Residents, um erst mal die Basics der Radiologie zu lernen
- Anfang Dezember begann ich dann mit der Forschungsarbeit, an deren Anfang ich eigentlich erst stehe:
Inzwischen habe ich über 3500 Patientenakten durchgearbeitet und beginne mit meinem ersten Abstract als Erstautor.
Die Statistik meiner Doktorarbeit ist soweit fertig, dass ich auch hiermit das Abstract anfangen kann. In 4 Wochen schon werde ich einen Vortrag darüber halten.
Ein Paper, an dem ich mitgewirkt habe, wird von einer anderen Research Fellow gerade geschrieben.
- Von Neuengland und darüber hinaus habe ich auch schon einiges gesehen: ich war in New York, Rhode Island, New Hampshire, Maine, an den Niagara Falls, in Toronto, in Miami.
- Und ich wurde Mitglied im Harvard Wind Ensemble.
Das zweite halbe Jahr:
Und was passiert in der zweiten Hälfte meines Boston-Jahres? In erster Linie muss ich viele Entscheidungen treffen:
Wo gehe ich hin ab August? Hier schlägt mein typisches Luxusproblem zu: Überschuss an Auswahlmoeglichkeiten. Soll es lieber Chile oder die Dominikanische Republik sein, doch wieder Europa in Form von Erasmus in Spanien, versuche ich weitere 4 Monate in meinem heißgeliebten Boston zu bleiben? Welche Fachrichtung will ich überhaupt für mein Wahltertial im Praktischen Jahr?
Soll ich den ersten Teil des amerikanischen Staatsexamens machen, um mir damit die Chance auf eine Rückkehr in die USA für meine Assistenzarztzeit offenzuhalten?
Nur zu einer Entscheidung konnte ich mich bisher schweren Herzens durchringen:
Ich werde den gesamten April in Spanien verbringen. Also wer mich im nächsten Jahr sehen moechte, das ist DIE Gelegenheit nicht so weit fliegen zu müssen ;-) Eigentlich moechte ich nicht weg aus Boston, die Zeit hier ist viel zu kurz und ich habe viel zu viele tolle Pläne, aber die Chance auf einen kostenlosen Sprachkurs kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Heute habe ich das OK von meinem Supervisor bekommen, vorausgesetzt ich bekomme vorher die Abstracts fertig und schreibe vor Ort die ganzen Paper.
Und was sind die sonstigen Pläne?
- ARBEITEN
- segeln gehen, sobald im Mai die Bootshäuser wieder oeffnen
- Klarinette spielen. Schon in 4 Wochen ist das nächste Konzert mit dem Harvard Wind Ensemble
- Tanzen. Als Mitglied im Harvard Ballroom Dance Team ist 4 mal in der Woche für jeweils 2h Training (wobei das Ende eher offen ist), in 3 Wochen ist der erste Competition, bei dem ich wohl antreten werde.
- Reisen. Schon in zwei Wochen koennte das nächste Highlight kommen. Eine Freundin, mit der ich schon in Toronto war, hat mich gefragt, ob ich mit nach Kalifornien kommen moechte.
- Und ich bekomme ganz viel Besuch: letztes Wochenende war schon eine Freundin aus Tübingen da, die hier in Providence studiert, dieses Wochenende kommt ein Freund aus New York, Ende März besucht mich ein Freund aus Deutschland, Anfang Mai kommt mein Bruder.
Wenn das mal keine Aussichten sind......
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